Getestet: Blümchen All-in-One

Heute stelle ich Euch eine der Windeln aus unserer Anfangszeit vor: Die All-in-One von Blümchen.

Als wir mit dem Stoffwickeln begannen, merkten wir schnell, dass wir mehr, viel mehr Windeln benötigten als wir derzeit hatten. Unsere ersten Windeln waren vom Typ Prefolds plus Überhose. Dieses System gefiel uns zwar, doch auch die AIO-Windeln reizten mich. Leider waren diese ziemlich teuer, die guten Bumgenius beispielsweise kosten um die 25 Euro und wenn man davon mehrere anschaffen will….nun ja, so fand ich die Blümchenwindeln und fand die Beschreibung sehr ansprechend. Und der Preis mit rund 15 Euro unschlagbar…

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Die Blümchen All-in-One

Bei der Blümchen AIO handelt es sich um eine Windel, die bereits Saugeinlage, Booster und Überhose in sich vereint – eben „All in One“. Dieses System soll zeitsparend sein, da man sich das Falten von Prefolds und Anlegen einer Überhose spart…nun ja, ich empfinde dies nicht wirklich als zeitintensiv. Zurück zur Blümchen-Windel. Anhand der vier Druckknopfreihen im vorderen Bereich ist sie mitwachsend und passt von ungefähr 3 bis 15 kg. Dieses Modell wird mit einem Klettverschluss geschlossen, es gibt sie allerdings auch mit Snaps. Das Gute an diesem Klettverschluss ist der lange Gegenklettstreifen, der somit eine breite Spannweite an Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Die Passform hat mir sehr gut gefallen. Bei unserer Tochter hat sie nahezu perfekt gesessen und machte vor allem ein kleines Windelpaket. Perfekt also für den Tag. Allerdings haben die integrierten Saugeinlagen bei uns immer nur extrem kurz gehalten, was dazu führte, dass wir sie mit weiteren Einlagen geboostet haben. Dadurch ist das Windelpaket dann letztendlich nicht mehr ganz so klein. Inzwischen gibt es von dieser AIO auch eine verbesserte PLUS-Version, die sich durch dickere Einlagen auszeichnet. Vermutlich hat Blümchen das Problem erkannt und so entsprechend behoben. Das PUL fühlt sich gut an und kann durchaus mit dem der preisintensiveren Anbieter mithalten. Die Windel hat einfache Beinbündchen, keine doppelten. Darüber hinaus verfügt die Windel über einen Gummizug im Rückenbereich und ist somit besonders dehnbar. Das Anlegen geht absolut einfach und ist ähnlich dem von Wegwerfwindeln. In dieser Hinsicht ideal für Babysitter oder Großeltern, die nicht mit Stoffies vertraut sind.

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Einfache Beinbündchen

In Punkto Saugkraft hat mich die Blümchen AIO leider nicht überzeugt, ganz im Gegenteil. Fast hätte ich mit den Stoffwindeln wieder aufgehört, da diese Windel eben zu den ersten in unserer Stoffiekarriere zählte. Zunächst einmal gibt es zwei eingenähte Einlagen, die sich durch verschiedene Eigenschaften auszeichnen. Die eine Einlage ist mit nur einer Seite am Vorderteil der Windel eingenäht, die andere – ebenfalls nur einseitig – am hinteren Teil. Dies war für mich erst einmal ungewöhnlich, da ich so eine Art Aufbau noch nie zuvor gesehen hatte. Aber die Idee fand ich toll, denn man kann – je nachdem welche Einlage oben liegt – aus zwei verschiedenen Oberflächenmaterialien wählen.

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Vorne und hinten sind je zwei eingenähte Einlagen

Die erste Einlage besteht aus Bambusviskose, einem sehr saugfähigen Material. Die Oberfläche besteht aus Bambusfrottee und fühlt sich somit sehr kuschelig an, ähnlich wie ein Handtuch. Die zweite Einlage besteht zwar auch aus Bambusviskose, hat aber auf ihrer Oberfläche ein spezielles Stay-Dry-Material. Letzteres fühlt sich ebenfalls sehr weich und angenehm an. Letztendlich ist es in meinen Augen fast schon egal, welche Einlage oben liegt und welche besonders flauschig oder saugfähig ist. Ich habe beide Möglichkeiten ausgiebig getestet und keinen Unterschied feststellen können. Immer musste ich einen zusätzlichen Booster über die Einlagen legen und dann natürlich noch das Windelfleece oder -vlies. Unter den Einlagen befindet sich noch ein heller Fleecestoff, der das PUL verdeckt. Theoretisch ist Bambus eines der saugfähigsten Materialien überhaupt, aber in dieser AIO konnten wir zumindest nichts davon spüren. Ohne extra Booster lief diese Windel permanent nach spätestens 30 bis 60 Minuten aus, nicht nur an den Bündchen, sondern auch direkt vorne (an den Stellen der Druckknopfreihen). Dies brachte mich schier zur Verzweiflung. Zuerst boostete ich die Windel mit Einlagen. Dadurch hielt sie etwas länger, aber ein sicheres Gefühl hatte ich nie. Ich experimentiere mit verschiedenen Waschmöglichkeiten, aber es half nichts. Denn lief sie aus, war einmal alles nass: Body, Hose, Shirt…kein Spaß also für Kind und Eltern.

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Zwei Einlagen als Grundlage – Booster empfohlen!

Beim Waschen liefert der Hersteller eindeutige Hinweise und näht diese sogar in die Windel ein, eine sehr gute Idee! Im Gegensatz zu den meisten anderen Stoffies darf sie nur bei 40 Grad gewaschen werden. Dies ist schon etwas ungewöhnlich, da ich normalerweise alle Windeln bei 60 Grad wasche. Hier also nur 40 Grad. Bei den Waschmitteln gelten die üblichen Regeln: Kein Weichspüler, keine Enzyme, keine Chlorbleiche, kein seifenhaltiges Waschmittel. Man soll nur 1/4 der üblichen Waschmittelmenge verwenden und nach einmal „gut spülen“ im Anschluss „gut schleudern“.

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Eingenähte Waschanleitung – eine gute Idee

Darüber hinaus sollte die Blümchen AIO nicht in den Trockner, sondern am besten auf der Leine getrocknet werden. Waschen und Trocknen ist sehr einfach, da die Einlagen beim Waschen auseinanderfallen. Kein Knöpfen, kein Falten – einfach in die Waschmaschine geben und fertig. Durch die beiden Einlagen dauert auch das Trocknen nicht so lange. Den Preisunterschied zu beispielsweise Bumgenius merkt man jedoch nach bereits wenigen Wäschen: Es kam bei uns zu Pilling im Inneren der Windel. Der Fleece bildete Knötchen genauso wie die Einlagen. Auch der Klett zeigte deutlich schneller eine Fusselbildung als ich es gewohnt war. Natürlich kann man bei einem Preis von 15 Euro auch nicht derart hochwertige Qualität erwarten.

Rein optisch hingegen gefällt mir die Windel sehr gut. Blümchen bringt auch immer wieder neue Muster auf den Markt. Ich hatte ein Set bestehend aus fünf Windeln gekauft, die mit Eulen und Zootieren bedruckt waren. Mir gefallen die Prints sehr gut – sie sind fröhlich, verspielt und bunt!

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Verspielte Prints

Den Hersteller Blümchen empfinde ich als sehr sympathisch – ganz besonders in Hinblick auf die Punkte Ethik und Nachhaltigkeit. Es handelt sich dabei um eine Mutter, die nach und nach ihre eigenen Stoffwindeln entwickelt hat – verschiedene Systeme für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Auf der Blümchen-Homepage erzählt sie ihre Geschichte. Überhaupt ist die Herstellerseite sehr zu empfehlen: Alle Systeme werden im Detail vorgestellt, dazu gibt es Waschanleitungen, FAQs, Informationen zu Problemen und ihren Lösungen…sehr informativ!
Demnach werden die Blümchen-Windeln

„(…) in Österreich entwickelt und in Übersee hergestellt. Wir haben uns dazu entschieden, da wir gesehen haben, daß bei einigen europäischen Herstellern extremes Lohndumping betrieben wird, sodaß die Näher trotz Vollbeschäftigung so wenig verdienen, daß sie sich den europäischen Lebensstandard nicht leisten können. Entlohnt man die Näher hier in Europa fair, steigen die Produktionskosten massiv oder man fordert ein dopplet so hohes Leistungsniveau, als in Übersee. Was enormen Zeitdruck bedeutet. Deshalb haben wir uns für Betriebe entschieden, die zwar in Übersee produzieren, jedoch sozial fair entlohnen.“(1)

Ich finde es sehr gut, dass Blümchen auf diese Dinge Wert legt. Beispielsweise gibt es auch eine Bio-Linie, deren Baumwolle unter fairen Bedingungen hergestellt wird.

Die Blümchen AIO – wie ich sie hier vorgestellt habe – ist ein inzwischen veraltetes Modell. Ich habe sie im Spätsommer 2015 über Amazon bestellt. Dort wurde es unter dem Titel „Blümchen Tagespaket 5+1 All-in-One Windel gemuster (3-16kg)“ für 69,50 Euro verkauft. So ist sie nicht mehr erhältlich. Alternativ erhaltet Ihr die neue All-in-One PLUS – Version für 14,90 Euro beispielsweise bei 1bis3.de. Darüber hinaus könnt Ihr sie unter anderem auch in den Onlineshops von Blumenkinder.eu und babysnatur.de finden. Preislich liegt die Blümchen AIO im unteren Preissegment. Im Vergleich dazu kosten AIOs von Totsbots oder Bumgenius ab 26 Euro und aufwärts.

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Fazit:

Ich kann das hier vorgestellte AIO-Modell von Blümchen leider nicht guten Gewissens empfehlen. Inzwischen gibt es jedoch eine verbesserte PLUS-Version. Da ich diese jedoch nicht habe, kann ich sie nicht bewerten und keinen Vergleich ziehen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass einige Schwachpunkte verbessert wurden. Aus meiner Sicht liegt die größte Schwäche der Blümchen-AIO in der Saugkraft! Bei uns hat sie zwar gesaugt, aber es hat – trotz Boostern – nicht gereicht. Sie lief permanent aus – an den Bündchen, an den Snaps, einfach überall. Zum Schluss haben wir sie als Höschenwindel mit Überhose genutzt, schließlich hatte ich ja gleich ein Sechserset bestellt. [Dies ist – nebenbei gemerkt – wie die Erfahrung gezeigt hat, nur dann empfehlenswert, wenn man eine Windel im Vorfeld schon getestet hat und von ihr überzeugt ist.] Doch das ist ja auch nicht der Sinn einer AIO, deren Clou schließlich darin besteht, dass man eben keine extra Überhose benötigt. Die Saugkraft und der Auslaufschutz gehören für mich zu den wichtigsten Faktoren bei einer Stoffwindel überhaupt. Sind diese beiden Punkte nicht gewährleistet, kann ich eine Windel nicht weiterempfehlen. Ganz besonders nicht, wenn Euer Baby zu den Vielpieslern gehört. Natürlich gibt es auch positive Seiten der Blümchen-AIO: Die Passform ist super, die Prints sind verspielt und vielfältig, der Windelaufbau mit zwei eingenähten Einlagen eine geniale Idee. Auch der nicht zu unterschätzende Aspekt der Nachhaltigkeit sorgt für Pluspunkte. Der Preis ist natürlich sehr günstig und verführt womöglich viele Eltern, die gerade erst mit Stoffies angefangen haben. Für wenig Geld kann man sich gleich umfangreich ausstatten. Aber man sollte sich einmal fragen, warum der Preis so günstig ist. Irgendwo muss der Hersteller sparen und darunter leidet dann womöglich die Saugkraft. Denn auch die großen Marken wie beispielsweise Bumgenius, Rumparooz & Co achten auf Ethik und produzieren ebenfalls – mit einigen Ausnahmen – in Asien. Einen Hinweis liefert womöglich die Waschempfehlung: Stoffwindeln, die nur bis 40 Grad gewaschen werden dürfen, erscheinen mir in Hinblick auf die verwendeten Materialien schon deutlich empfindlicher. Standard ist eigentlich eine Windelwäsche bei 60 Grad, was auch bei den meisten Windelherstellern möglich ist. Auch die sehr schnelle Bildung von Pillingknötchen und der Klettverschleiß nach nur wenigen Wochen lassen Rückschlüsse auf das verwendete Material zu. Ein ähnliches Phänomen konnte ich – im Vergleich – bei bereits gebraucht gekauften und inzwischen seit vielen Monaten von uns benutzten Bumgenius nicht beobachten.

Ich finde es ein wenig schade, dass diese Windel bei mir im Test so schlecht abschneidet, da ich die Philosophie wirklich toll finde. Aber es nützt nichts, Fakten sind nun mal Fakten. Von daher rate ich Euch, beim Kauf von AIO-Windeln um diese Version der Blümchenwindel lieber einen großen Bogen zu machen. Möglicherweise hat sich die neue PLUS-Version entsprechend gebessert und bietet mehr Sicherheit. Falls Ihr mit der neuen Blümchen-AIO bereits Erfahrungen gesammelt habt, schreibt mir gerne – ich bin gespannt!

Quelle (1): http://www.blümchenwindel.at/allgemeine-fragen/, letzter Zugriff am 23.10.2016

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